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Alle ziehen am Kettenstrang der Effizienz

Interview mit RUD Umweltmanager: Holger Menzel

Lothar Lochmaier, Produktion Nr. 43, 2010
Holger Menzel, Leiter des Umweltmanagement beim Kettensysteme-Hersteller RUD Holger Menzel, Leiter des Umweltmanagement beim Kettensysteme-Hersteller RUD erläutert wie Energie-Effizienz in einer mittelständischen Firma umgesetzt wird. Seine Aussagen werden unten ergänzt.

Welchen strategischen Ansatz in der Energie-Effizienz mit Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette verfolgt RUD?

RUD bietet als international agierendes Familienunternehmen Problemlösungen mit Kettensystemen und Bauteilen für vielfältigste Einsatzbereiche. Auf Grund energieintensiver Produktionsprozesse bei der Kettenfertigung haben der Gesamtenergieverbrauch und die damit verbundenen Energiekosten eine enorme Bedeutung für die nachhaltige, zukunftsorientierte Entwicklung der RUDGruppe.
Daher nehmen wir seit November 2007 am Modellprojekt „Energieeffizienz-Tisch (EET) Ostwürttemberg“ unter Leitung des Modells Hohenlohe teil. Ziel ist es hierbei, Erfolge bei der Reduzierung der Energiekosten und der CO2–Emissionen zu erreichen. Mit der Teilnahme am Modellprojekt verfolgen wir unser selbst gesetztes Ziel, ein kontinuierliches, ertragsorientiertes Wachstum unter Berücksichtigung der Schonung von Ressourcen und unserer Umwelt.

Welche Einsparpotenziale sind identifiziert worden?

Im Rahmen der Initialberatung des EET Ost-Württemberg wurde unser Unternehmen durch Fachexperten des Modells Hohenlohe (Pfedelbach) und Ingenieurbüros Eproplan GmbH (Stuttgart) mit dem Schwerpunkt Energie-Effizienz untersucht. Im Ergebnis wurden mehr als 20 Maßnahmen identifiziert, die eine Steigerung der Energie-Effizienz unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit generieren.

Wie soll das Sparziel aussehen?

Nach der Umsetzung aller geplanten Maßnahmen werden wir pro Jahr zirka 600 Tonnen CO2 einsparen. Für die Erreichung der selbst gesteckten Ziele ist es besonders wichtig, dass alle Mitarbeiter am Kettenstrang Energie-Effizienz mitziehen. Dies beginnt an jedem Arbeitsplatz mit dem sorgsamen Umgang mit Strom, Erdgas (Heizung) und Druckluft.

Wie sieht das systematische Vorgehen aus?

Für die schrittweise Umsetzung der ermittelten Maßnahmen haben wir uns einen Fahrplan aufgestellt, der uns als roter Faden die gesamte Umsetzungsphase begleitet. Schwerpunkte sind insbesondere in den Bereichen Druckluft, Energiemanagement zur Senkung des Stromverbrauches, Heizung und Organisation gegeben. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die abteilungsübergreifende, strukturierte Herangehensweise in Verbindung mit externem Sachverstand, der bei Bedarf eingeholt wird.

Wie binden Sie die Mitarbeiter in das Sparkonzept ein?

Äußerst positiv ist es, dass unsere Mitarbeiter bei notwendigen Reparaturen oder Wartungsarbeiten selbstständig energiesparende Maßnahmen mit umsetzen. Zum Aufbau weiterer Kompetenz rund um den Themenkomplex Energie, Energiesparen, Energie-Effizienz sowie CO2-Minderung hat ein weiterer Mitarbeiter die Qualifizierung zum Energiemanager (IHK) erfolgreich abgeschlossen.

Welche Resultate sind bereits erzielt worden?

Verschiedene Maßnahmen wurden in den letzten Jahren umgesetzt (siehe Text unten). Beispiele sind hier der Einbau eines frequenzgesteuerten Gasbrenners für unsere Wärmeversorgung und die Nutzung einer übergeordneten Kompressorensteuerung für den verbrauchsabhängigen Einsatz der vorhandenen Kompressoren. Weiterhin wurden alte Fenster gegen neue, moderne, energiesparende Fenster ausgetauscht. Ebenso fand eine Energiewoche im Hause RUD statt. Alle Mitarbeiter konnten sich umfassend zu dem Thema Energiesparen informieren. Bisher konnten schon mehrere 100 000 Kilowattstunden im Jahr an Energie gespart werden.

Welche nächsten Schritte sind geplant?

Hier sind insbesondere der konsequente Ausbau unseres Energiecontrolling-Systems als Basis für die Ermittlung von weiterem Einsparpotenzial und die Abwärmenutzung zu nennen. Weiterhin werden momentan Dachflächen nach den Vorgaben der EnEV 2009 saniert. Insgesamt befinden wir uns auf einem guten Weg, unsere gesteckten Ziele zu erreichen. Als weltweit agierender Familienkonzern beschränken wir unsere Aktivitäten aber nicht nur auf unsere Produktionsstandorte in Deutschland. RUD unterstützt, als eines der wenigen deutschen Unternehmen die Initiative „cool earth“ und beteiligt sich mit einer Patenschaft am Schutz der tropischen Regenwälder.

20 Maßnahmen wirtschaftlich umsetzbar

Lothar Lochmaier, Produktion Nr. 43, 2010

RUD Ketten - der Campus Bis heute ist die RUD-Gruppe mit Hauptsitz auf der Schwäbischen Ostalb familiengeführt und befindet sich in der fünften Generation. Ökologie und Umweltschutz gehören bei dem Spezialisten für Kettensysteme und Bauteile seit jeher zum lebendigen Bestandteil der Unternehmensphilosophie.

Bereits vor drei Jahren entschied man sich zur Teilnahme an einem Energieeffizienztisch, um sich intensiv mit Kosten und Nutzen einzelner Maßnahmen auseinander zu setzen. Die Prognose ergab eine Investition von rund 150 000 Euro, die mit Einsparungen von 110 000 Euro pro Jahr und einer CO2-Reduktion von 600 t pro Jahr zu Buche schlagen sollen. Zu den Schwerpunkten gehören:

  • Druckluft
  • Heizung
  • Beleuchtung
  • Mitarbeitermotivation
  • Energiecontrolling
  • Abwärmenutzung
  • Elektrische Maschinen und Anlagen
  • Austausch in den Netzwerksitzungen

Weitere Maßnahmen wurden parallel dazu auch durch die Mitarbeiter selbst initiiert, wie die bedarfsgerechte Steuerung einer Härteanlage und Temperaturabsenkung am Wochenende für eine Waschmaschine. Bei zahlreichen Stellschrauben, wie das Beispiel Wasserverbrauch für Kühlzwecke zeigt, ließen sich bereits konkrete Einsparungen erzielen. Durch Absenken des Wasserverbrauchs sank der Betriebsstoffeinsatz, die Produktion wurde kostengünstiger, dies bedeutete weniger Abwasser und letztlich umweltfreundlichere Produkte.

Heute entfällt die Wasserkühlung der Pumpenlager der Pumpen für die zentrale Heizanlage oder sie findet nur noch bei niedrigen Außentemperaturen statt, wenn die Vorlauftemperatur angehoben wird. Eine weitere zentrale Maßnahme betraf die Druckluft: Einzelne Kompressoren wiesen bis zu 60 Prozent Leerlauf auf.

Durch Aktivierung der übergeordneten Kompressorensteuerung (AirLeader) werden die notwendigen Kompressoren bedarfsgerecht eingesetzt. Laut Einschätzung RUD sank der Leerlauf mittlerweile auf unter 15%. Neben der Energieeinsparung verringerte sich auch der Kühlwasserverbrauch für die Kühlung der Kompressoren. Beide Maßnahmen führten zu einer Einsparung von ca. 18 000 Euro pro Jahr für die Drucklufterzeugung. Die Verantwortlichen des Unternehmens können nach bislang dreijährigem Bemühen ein positives Fazit ziehen.

Einen deutlichen Fortschritt hat die Teilnahme am Energieeffizienznetzwerk Ostwürttemberg sowie die Initialberatung durch Fachexperten gebracht. Die konkreten Erfolge können sich sehen lassen: Von mehr als 30 Einzelvorschlägen hätten sich 20 Maßnahmen als wirtschaftlich umsetzbar erwiesen. Der „rote Faden“ für die nächsten Jahre sehe den aktiven Erfahrungsaustausch mit weiteren Teilnehmern und anderen Netzwerken voraus, um den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu gewinnen.

Alle ziehen am Kettenstrang der Effizienz

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20 Maßnahmen wirtschaftlich Umsetzen

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Produktion

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